Wie kam ich zu dem Schiff?


Ich lernte sie vor etwa 2 Jahren durch die Webseite "Schlimme-Schiffe.de" kennen. Von Anfang an war ich irgendwie von ihrer außergewöhnlichen Form fasziniert und fand sie gar nicht „schlimm“. 

Dabei fragte ich mich fortwährend, wie jemand ein so besonderes Schiff derart vernachlässigen könne. Auf der Webseite war sie jedenfalls seit 2008 präsent und durch die Jahre hindurch konnte man erkennen, wie ihr die lange Zeit im Wasser zusetzte. Die letzten 3 Jahre zeigten ein ehemals weißes Schiff mit roten Applikationen, wo das rostige Braun den größten Teil der Aussenhaut in Besitz genommen hatte.

Das letzte Foto-Update auf der Webseite verhieß in Sachen "Moin-Moin" nichts Gutes. Sie lag sehr tief im Wasser, als drohe sie in Kürze zu versinken.

Als sie dann etwas später bei der Lindenau-Werft auf dem Trockenen stand, schwante mir, das dies die letzten Tage dieses einstmals stolzen Seglers sein könnten.

Irgendwann fasste ich mir ein Herz und rief bei der Werft an. 

Man teilte mir mit, "Moin-Moin" sei bereits an einen Abwracker verkauft worden und dieser wolle zeitnah mit dem Ausschlachten und anschließenden Zerlegen beginnen. 

Später rief mich der freundliche Herr von der Werft zurück und sagte mir, wenn ich interessiert sei, könnte ich Montag ab 10:00 Uhr vorbeikommen und mich mit dem Herrn unterhalten.

Ich antwortete ihm, ich würde mir die Sache durch den Kopf gehen lassen, doch war mir schon direkt nach dem Telefonat klar, dass ich an dem ausgeweideten Schiff wohl kaum Interesse haben würde. Dies wäre auch überhaupt nicht sinnvoll gewesen, hatte ich doch keinerlei  Selbstausbau-Ambitionen.

An dem besagten Montagmorgen jedenfalls hatte ich mir die Sache komplett aus dem Kopf geschlagen. Bis gegen 14:00 Uhr der Abwracker selbst mich anrief und mir mitteilte, dass er mit dem Zerlegen noch keinesfalls begonnen habe, da er auf mich gewartet hätte und er das Boot eigentlich viel zu schade zum Zerlegen fände.

Das änderte schlagartig die Sachlage und so verabredeten wir uns für Mittwoch Vormittag. 

Pünktlich um 11:00 Uhr am Mittwoch Vormittag stehe ich auf dem Gelände der Lindenau-Werft, das Schiff habe ich bei der Annäherung mit dem Auto bereits von der Straße aus entdeckt.

Der freundliche Herr Neu-Eigner ist schon bei dem Schiff und erwartet mich. Wir begrüßen uns und sehen uns das Schiff zusammen an. Der arg rostige Rumpf sei noch sehr gut, meint er. Lediglich ein etwa 1 cm großes Loch sei unter dem Motor, dadurch wäre sie fast gesunken. Als der Hafeneigentümer am Schiff war um es leerzupumpen, wären sie überein gekommen, dass mein Gesprächspartner das Schiff übernehmen könne.

Man legte das Schiff vor die Slipanlage der Werft, wo es nur wenig absacken konnte und eine Woche später stellte die Werft es auf den Platz, wo pdas Wasser sich wieder aus dem Schiff verzog.

Einen anderen Eigner als den Hafeneigentümer hatte das Schiff übrigens nicht mehr. Der wirkliche Eigner war vor Jahren verstorben, was wohl auch erklärt, warum das einstmals strahlend weiße Schiff mehrere Jahre ohne die geringste Pflege auskommen musste. Nun, nach etwa 10 Jahren der Nichtbeachtung mochte "Moin-Moin" nicht mehr weiterleben und suchte den Weg abwärts in die Tiefe.

Nach diesen ersten Erklärungen geht die Besichtigung weiter. Ein Blick Richtung Schiffsschraube offenbart, dass die Gute irgendwann wohl ihr Ruderblatt am Steg verloren haben muss.

Also wird es wohl nicht so einfach werden, sie auf dem Wasserweg mit eigener Kraft zu verholen. Das wird auf jeden Fall eine der ersten teureren Maßnahmen sein, die es zu erledigen gilt!

Weiter geht es die Leiter hinauf in die Plicht. Viel abgeblätterte Farbe und ein blinder Kompass, die Luke im Dach des Ruderhauses, bwz. der festen Sprayhood fehlt.  Anscheinend gab es schon Teile-Jäger, denn auch die beiden seitlichen Winschen fehlen leider.

Das Schiffsinnere wirkt noch ein wenig feucht und es sieht sehr nach einem Selbstausbau aus. Doch davon abgesehen, begeistert mich die Raumausnutzung des Schiffes. Praktisch jeder Zentimeter kommt dem Innenraum zugute und nun verstehe ich erst richtig, was so einen Backdecker in Sachen Wohnraum und Stehhöhe ausmacht. Meine anderen beiden Stahlboote sind nicht wesentlich kleiner. Durch deren klassischen Riss kann man den Lebensraum dieser "normalen" Segler jedoch überhaupt nicht mit dem der "Moin-Moin" vergleichen. 

Ein starker 62 PS Innenborder tront vor der Achterkajüte mittig hinter dem Niedergang und verrichtet seine Arbeit in einem Holzumbau mit Dämmplatten. Sieht recht urtümlich aus. Das ganze Schiff ist voll mit Fenstern, dadurch ist es recht hell in den Räumen. Pantry und WC haben eine Größe, mit der sich etwas anfangen lässt. Der Salon und die Heckkajüte sind räumlich fast ebenbürtig. Dafür gibt es keine Vorpiek extra.

Ich sehe die abblätternde Farbe, den Rost, erinnere mich daran, wie ich meine Vanguard II bekam (sie sah ähnlich verheerend aus), die noch immer nur grau grundiert hier auf ihrem Hafentrailer ihr Dasein fristet, und weiß aufgrund dieser ersten Erfahrung mit einem alten vergessenen Stahlboot, dass ich auch diese neue Herausforderung meistern werde!

Nach der alles entscheidenden Frage hinsichtlich der Preisidee werden wir uns schnell einig. 600,-€ soll das Schätzchen also kosten. Ich bin emotional angespannt, weiß jedoch tief in meinem Inneren, dass ich mit diesem Handschlag keinen Fehler gemacht habe.

Als Nächstes muss ich mit der Werft reden, ob und wie lange und vor allem, zu welchen Konditionen das Schiff vorerst dort stehen bleiben kann.

Am Liebsten hätte ich die "Moin-Moin" hier bei mir zu Hause. Aber mit ihrem Gewicht und dem Fehlen eines Trailers wird es nicht einfach und auch nicht billig werden, sie derart weit ins Landesinnere zu verholen.

Daher werde wohl ich zu ihr kommen müssen, bis sie wieder ins Wasser kann. Das wird am einfachsten sein.

Vom Typ her dürfte „Moin-Moin“ eine Reinke sein. Ich habe der Firma ein paar Fotos zur Typisierung zugesandt. Mal sehen, ob man dort das Schiff erkennt.