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Kiel - Fynshav

Am Morgen des Freitags , 07.07. 2017 gegen 9:30 Uhr sollte es endlich losgehen mit der Überstellung des Schiffes von Kiel nach Fynshav auf der dänischen Insel Alsen, wo der reservierte Liegeplatz bereits seit Monaten auf die "Moin Moin" wartete.

Es wurde allerlei Proviant und Gepäck an Bord verstaut und wenig später lief auch schon die Maschine und wir legten ab. 

 

Ein paar Tage zuvor hatten wir noch die hydraulische Lenkung entlüftet, so gut es ging. Als wir von unserer Spundwand bei der Lindenau Werft den Weg in die Kieler Förde suchten, merkten wir jedoch, dass das Schiff in jede erdenkliche Richtung fuhr, nur nicht in die, die es eigentlich nehmen sollte. Hiermit war kein Staat zu machen. Also mit großem Herumgezirkel und in einem Riesenbogen wieder zurück zur Werft an den Anlegeplatz. Dort endlich wieder fest (war ohne Rückwärtsgang auch nicht so einfach), gingen wir gleich daran, dass Lenksystem noch einmal zu checken. Wir mussten feststellen, dass es mit dem Entlüften der Lenkung allein nicht getan war. Nein – anscheinend war fast kein Öl mehr in der Anlage und das, obwohl in dem Vorratsbehälter noch immer ein hohes Level zu verzeichnen war. Der Fehler war schnell gefunden: der Schlauch vom Vorratsbehälter zur Pumpe war komplett dicht und ließ keinen Tropfen Öl hindurch. Nachdem dieses Problem behoben war, begannen wir mit dem Befüllen und Entlüften der Lenkanlage bis sich ein Gefühl einstellte, dass es nun etwas werden könnte. 

 

Also nochmals mutig abgelegt (mittlerweile war es auch schon etwa 12:30 Uhr) und siehe da – das Schiff fuhr grob in die Richtung, die man vorgab.

Nun konnte es losgehen, aufgrund mangelnden Windes allerdings komplett unter Maschine. 

 

Diese hatte an dem Tag nun ausreichend Gelegenheit, sich frei zu laufen. Im Verlauf der Stunden verschwand zunehmend das Rauchen und der Motor lief einwandfrei bis zum Ziel. Nur einmal zwischendurch hatte sich die stets mit laufende elektrische Wasserpumpe aufgrund einer losen Klemme verabschiedet und der Motor wurde richtig heiß!

 

Glücklicherweise hatten wir es uns vorher schon nicht nehmen lassen, beide Segel zu setzen, obwohl dieses nicht eben sinnvoll erschien aufgrund des schwachen Windes aus der falschen Richtung. 

 

Eckhard Johannsen bewegte das Schiff nach dem Abstellen des Motors etwas mehr westlich an den Wind, der an diesem Tag mit circa 5 km/h aus Norden blies. Zu meinem Erstaunen machte die "Moin Moin" während sie nur segelte immer noch etwa 1,8 Knoten Fahrt und es wurde auch nicht weniger!

 

Als dieses technische Problem auch behoben war, ging es weiter unter Maschine bis zum Ziel. Sven Mickler beobachtete jetzt häufiger die Temperatur des Motors und den Betrieb der Pumpe und war stets und ständig mit der hydraulischenLenkung beschäftigt. Hier musste er diverse Male weiteres Öl nachkippen und das Lenkverhalten des Schiffes wurde parallel dazu immer direkter. Waren die ersten Stunden noch ein regelrechter Zickzackkurs, so war während der letzten Stunde das Schiff deutlich eleganter zu lenken und auf Kurs zu halten. 

 

Trotz aller Anspannung hinsichtlich der Technik hatten wir drei aber unseren Spaß und waren von meiner Frau auch sehr gut verproviantiert worden. Als wir den Hafen von Fynshav sehen konnten, hatte bereits ein wunderschöner Sonnenuntergang eingesetzt denn es war ja immerhin schon nach 21:00 Uhr. 

 

Nun blieb die letzte Herausforderung dieser Überfahrt: das gefühlvolle Einfahren und Stoppen im Hafen ohne Rückwärtsgang!

Ich muss sagen, dass mir diese Aufgabe seit Stunden schwer im Magen lag. Wir hatten uns ein wenig darauf vorbereitet und besprochen, welche Möglichkeiten alternativ bestünden. Beispielsweise hatten wir einen Anker mit 8 m Kette hinten am Heck wurfbereit. Hiermit hätten wir im Zweifel die letzte langsame Fahrt aus dem Schiff herausnehmen können, wenn es denn brenzlig geworden wäre. 

 

Ein Pluspunkt bei der Aktion war immerhin die jetzt recht präzise Lenkung, die mir erlaubte, das Schiff auch mit sehr wenig Fahrt noch gut auf Kurs zu halten. Als wir den Weg in die lang gezogene Hafenmole nahmen, bin ich sehr früh in den Leerlauf gegangen und habe das Schiff beobachtet und getestet, ob es weiterhin manövrierfähig war. Irgendwann konnten wir die Steganlagen ausmachen. Der Steg ganz an Backbord am äußeren Hafenrand, der sollte es sein! Hier konnte ich nämlich ganz elegant längsseits festmachen. Auf diesen Steg hielt ich jetzt zu und steuerte das Schiff ganz dicht an ihn heran, alles im Leerlauf. Und es klappte traumhaft: kurz bevor wir aufstoppen mussten, konnte ich noch einen anderen Segler dazu animieren, unsere Leine anzunehmen und so die letzte Fahrt aus dem Schiff herauszunehmen. Besser ging es nicht! Diesen Vorgang hatte ich mir wesentlich unentspannter ausgemalt. 

 

Mittlerweile hatten wir 21:40 Uhr.

Motor abgestellt und als erstes das Anlege-Bier herausgeholt.

 

Endlich angekommen!

 


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